Sonntag, 10. April 2016

Game Review - Aufbauspiel Factorio für den PC



Liebe Leute, heut hab ich mal wieder eine Review, die die Zocker unter euch interessieren könnte.
Und zwar zu dem Early Access Aufbauspiel Factorio.

Vorab „Early Access“ kurz erklärt: Das Spiel befindet sich noch in Entwicklung, wird also noch erweitert und ist noch nicht final. Trotzdem bietet es schon eine Menge Inhalt und funktioniert einwandfrei. Ich habe mich bisher ca. 30 Stunden damit beschäftigt und hatte keinerlei Probleme wie Abstürze oder ähnliches.

Factorio Überblicksvideo

DIE STORY
Erz- und Kohleabbau und erster Verarbeitunggschritt
Factorio ist ein klassisches Aufbauspiel mit Tower-Defense Aspekt und hat dabei nur eine eher periphere Story.
Man verkörpert einen Astronauten-Ingenieur, der mit seinem Raumschiff auf einem fremden Planeten abgestürzt ist. Um von dort wieder wegzukommen muss dieser sein ganzes Wissen und Können einsetzen um mit den vorhandenen Ressourcen eine Rakete zu bauen, mit der er den Planeten wieder verlassen kann. Dabei muss er sich vor der heimischen Fauna in Acht nehmen, die seine Anwesenheit mit der aufkommenden Umweltverschmutzung, produziert durch seine Maschinen, immer weniger toleriert.
Eine kurze Kampagne dient dazu dem Spieler die wichtigsten Mechaniken zu vermitteln.




ANNO LÄSST GRÜSSEN
Einblick auf einige Produktionsketten
inkl. Forschungskuppeln (rechts)
Wer in Spielen gerne baut, tüftelt und durch den Fortschritt lernt, ist hier genau richtig – Stichwort Sandbox. Ein freies Spiel beginnt in Mitten der Wildnis. Kein Mensch weit und breit, nur Einsamkeit und das heimische Getier, das sich anfangs noch zurückhält. In der eigenen Tasche nur eine Pistole, etwas Munition und eine Hand voll Ressourcen mit denen man sich gerade so eine Spitzhacke bauen kann. Und schon kann‘s losgehen!

Ähnlich wie in Minecraft oder Don’t Starve, hier aber aus einer sehr übersichtlichen, leicht schrägen Vogelperspektive, klopft man mit seinem neu gewonnenen Werkzeug einmal ein paar Bäume, Kohle, Stein und Erz um die ersten Maschinen zu errichten. Ein Kohleförderer sorgt für den benötigten Brennstoff, der wesentlich effektiver ist als Holz. Damit wiederum lassen sich Erzförderer betreiben, die Eisenerz und Kupfererz für die weitere Verarbeitung anschaffen. Diese lassen sich dann, in mit Kohle befeuerten Schmelzöfen zu Platten verarbeiten.

Die erste Produktion ist angelaufen. Aber das ist doch mühsam. Man muss ständig Kohle nachfüllen, sonst geht das Feuer aus. Und dass man das Erz immer von selbst in den Schmelzofen werfen muss, ist auch mühsam. Das muss besser gehen! Und es geht besser! Aus den Eisenplatten lassen sich Förderbänder machen und diese Transportieren jedes feststoffliche Gut nach Wunsch von A nach B. Greifarme hingegen befüllen die Öfen mit Brennstoff und Schmelzgut und entnehmen das fertige Produkt wieder. Doch die besseren Greifarme brauchen Strom. Eine Dampfmaschine muss her, die mit heißem Wasser betrieben wird um Energie zu erzeugen. Und auch hier braucht man Heizkessel und eine automatisierte Befüllung mit Brennmaterial. Erst im weiteren Spielverlauf schaltet man Photovoltaik und Speicherakkus frei um damit effektiver Energie zu erzeugen und für Engpässe sogar zu speichern.

Größer meiner ersten Fabrik nach etwa 22 Stunden

Steht diese Grundversorgung, gilt es sich weiterzuentwickeln. Ein Forschungsmenü gibt uns zig Forschungsmöglichkeiten in diversen Bereichen. Darunter Logistik, Militär, Robotik, Energie uvm.
Doch für die Forschung braucht es Wissenschaftspakete und davon nicht zu knapp. Unmöglich das alles von Hand zu bauen. Wir automatisieren das!

Das erste von vier Wissenschaftspaketen ist noch sehr einfach zu erzeugen. Eine Montagemaschine erzeugt Zahnräder aus Eisenplatten, eine zweite kombiniert diese Zahnräder mit Kupferplatten. Doch das war nur der Einstieg. Fortgeschrittene Forschung erfordert fortgeschrittene Produktion. Später ergeben sich Warenkreisläufe, die ein Anno blass aussehen lassen. Zumal man sich bei Factorio auch um den Transport jeder einzelnen Ware via Laufband, Zug und später auch kleinen Flugrobotern kümmern muss. Das dritte Wissenschaftspaket beispielweise erfordert bereits Produkte, wie Kunststoff oder Batterien, die nur durch die Gewinnung von Öl und dessen Weiterverarbeitung zu erzeugen sind.


ACHTUNG ALIEN
Automatisch aufmunitionierte Abwehrtürme
Mit zunehmender Industrialisierung, steigt leider der Grad der Umweltverschmutzung. Das gefällt der einheimischen Tierwelt verständlicherweise gar nicht. Schon nach den ersten paar errichteten Maschinen statten einem die käferartigen Tierchen einen aggressiven Besuch ab. Die Pistole tut‘s für den Anfang, aber schnell wird ein Maschinengewehr dringend empfohlen. Im weiteren Spielverlauf kommt man um Mauern und Geschütztürme nicht herum. Auch diese wollen bestenfalls automatisch mit frischer Munition, je nach Forschungsstand auch panzerbrechend, beladen werden.
  
Energieerzeugung durch Dampfmaschinen (oben)
und Photovoltaik inkl. Akkus (rechts)
Dieser Tower-Defense Aspekt ist zwar vorhanden, aber dank der kräftigen Abwehrmöglichkeiten sehr gut in den Griff zu bekommen - von daher nicht allzu fordernd. Das nervigste ist höchstens, dass die Aliens gerne mal Mauern oder Geschütze anknabbern. Diese ständig zu reparieren ist mühsam. Doch wozu gibt es die Robotik? Dank kleiner Service-Flugroboter und einem entsprechenden Hangar in Reichweite, lassen sich Schäden automatisch reparieren.

Anfriff mit einem Panzer auf ein Alien-Nest



Später wird es unumgänglich mit schwerem Gerät, welches natürlich auch erforscht, konstruiert und mit Munition bestückt werden muss aus seiner Komfortzone, der ummauerten Fabrik, herauszufahren um ein paar Alien-Bauten dem Erdboden gleich zu machen. Denn die Menge an Angreifern wird dann doch irgendwann nervig. Außerdem wird das zurückgelassene Alien Material benötigt um die maximalen Forschungsprojekte voranzutreiben.



UNSER BABY, DIE FABRIK
Bevor ich selbst spielte, habe ich in einer Review davon gelesen, dass einem die eigene Fabrik wie ein Baby ans Herz wächst. So ein Schmarrn, dachte ich, bis ich es selbst mal fünf Stunden gespielt hatte. Factorio ist ein Spiel für Problemlöser, Logiker und Optimierer. Es gibt immer was zu tun und man weiß nie was man zuerst machen möchte. Nebst sollte man seine Schöpfung freilich auch nicht von einer Schar von Alienkäfern überrennen lassen!

Offizieller Factorio Trailer 2016

Auch ein schöner Aspekt des Spiels ist learning-by-doing. Die ersten Produktionskreisläufe sahen bei mir furchtbar aus. Aber man lernt dazu und verbessert sich durch das wachsende Verständnis der Mechaniken des Spiels. Später kommen auch Logikelemente dazu. So kann ich einen Greifarm zum Beispiel so lange eine Kiste befüllen lassen bis diese einen gewissen Füllstand erreicht hat. Und das ist nur das einfachste Beispiel. Das Spiel selbst erklärt vieles nicht sonderlich ausführlich. Man muss sich entweder die Zeit nehmen Dinge einfach auszuprobieren, oder man greift auf Youtube Tutorials zurück. Da ich mir den Entdeckeraspekt nicht nehmen wollte habe ich versucht so gut wie möglich auf zweiteres zu verzichten.

FAZIT
Ich selbst bin ein Fan von Anno (vorwiegend 2070), Don’t Starve, Minecraft und lasse mich auch hin und wieder zu einem Tower-Defense-Spiel hinreißen. In gewisser Weise vereint Factorio viele Aspekte dieser Spiele und trifft damit bei mir auf einen Nerv. Wer also ähnliche Zocker-Vorlieben hat, kann mit Factorio nichts falsch machen und ist mit dem derzeitigen Early Access Preis von 20€ sehr gut bedient. Die Grafik ist freilich alles andere als High-End, aber sehr zweckmäßig und übersichtlich.
Aber seid gewarnt! Factorio ist ein „Diese eine Verbesserung mache ich noch und kaum schaue ich auf die Uhr ist es drei Uhr morgens“-Spiel. O.o

Die Entwickler von Factorio bieten eine kostenlose Demo an, in der man die ersten beiden Kampagnen-Level spielen kann. Mittlerweile sogar über Steam (ansonsten auf der Factorio-Website als 250MB Download). Ich selbst habe die Demo gespielt. Aber das Ding kratzt wirklich nur an der obersten Lackschicht. Ehrlich gesagt hatte mich die Demo nicht überzeugt, aber das Hauptspiel allemal.

Factorio lässt sich übrigens auch zu mehrt spielen. Ich denke mir, dass dies sehr spannend sein kann. Aber den Multiplayer habe ich bisher nicht probiert, da mir der zweite Fabrikant fehlt.

WERTUNG
5 von 5 fabrikbauende Wunderwuzzis

Factorio auf Steam 
Demo beim Entwickler herunterladen

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