Montag, 26. Dezember 2016

Premium Test - 4K LCD TV LG 55UH770V

ACHTUNG – Umfangreiche Rezension – Wer‘s eilig hat liest das Fazit ganz unten!

VORWORT

Nachdem ich seit über einem Jahr mit einer TV Neuanschaffung liebäugle, habe ich mich heuer durchgerungen endlich zuzuschlagen. Geräte mit UHD und HDR sind im Vergleich zum Anfang des Jahres deutlich günstiger geworden und nun sollte die 9 Jahre alte Toschiba-Kiste eindlich ausgetauscht werden.

Warum der UH770?
Ich hatte LG und Panasonic schon letztes Jahr am Radar, daher kamen deren Geräte wieder in die engere Wahl. Erst habe ich mir den 58DXW734* von Panasonic geholt, war mit dem aber nicht vollends zufrieden und habe leider ein Clouding-Exemplar erwischt (bei Panasonic läuft übrigens noch bis 08.01.2017 eine Cashback Aktion).
Der Zweite Versuch war eben der LG 55UH770* mit IPS Panel, den ich mir beim örtlichen Fachhändler geholt habe. Natürlich mit vorab Online-Bestellung, da ich die 14 Tage Rückgaberecht bei TVs unbedingt empfehle! Denn leider ist die Qualitätssicherung bei LCD TVs immer ein großes Fragezzeichen. Und für über 1000€ stell ich mir kein Montagsgerät mit furchtbaren Display-Fehlern über mehrere Jahre ins Wohnzimmer (Clouding, Banding, DSE und wie sie alle heißen).
Die zwei Hauptvorteile die für den UH770 als Ersatz für den Panasonic sprechen sind das IPS Display wegen Seiner Blickwinkelstabilität und die doppelte Frequenz (120Hz).

Zu den einzelnen Punkten:

OPTIK UND HAPTIK
Der schlanke UHD-Fernseher sieht super aus. Keine Frage. Der hellgraue Metallrahmen wertet das ansonsten natürlich aus Kunststoff bestehende Gerät optisch deutlich auf. An der Rückseite befindet sich eine Abdeckung für die Fußmontage, die aber mit einem schnellen Handgriff entfernt ist.
Die Anschlüsse selbst haben keine Abdeckung, sind aber sehr flach in das schlanke Design des TVs eingearbeitet. An der Unterseite befinden sich ein paar Knöpfe zur groben Steuerung des TVs.
Der LG hat nur einen sehr breiten Standfuß. Dieser hat ein ansprechendes Design, ist aber aufgrund seiner Breite nicht für schlanke Phonomöbel gedacht. Wir haben ein eher kleines Kasterl, aber auch hier geht es sich aus. Später werden wir das Gerät dann ohnehin statt unserem alten Toschiba an die Wand hängen.


FERNBEDIENUNG UND BETRIEBSSYSTEM (WebOS)
Die schwarze Fernbedienung sieht im Vergleich zur grauen Fernsteuerung des Panasonic etwas edler aus, sie bedient sich sauber, die Tasten haben einen guten Druckpunkt. Die Mauszeiger Funktion ist natürlich DAS Feature und ist auch sehr praktisch. Trotzdem fand ich die Anordnung der Tasten und das Zusammenspiel zwischen Fernsteuerung und OS beim Panasonic etwas stimmiger.
Der TV startet sehr flott in das WebOS Betriebssystem. Ich habe es nicht gemessen, aber es dauert sicher nicht länger als 10 Sekunden.
Beim ersten Starten des TVs muss man Länder- und Sprachinfos einstellen und kann sich gleich mit dem Internet verbinden (WLAN oder LAN). Soweit so praktisch.
Das WebOS selbst bedient sich ebenfalls recht einfach und hat auch gleich ein Update angeboten und heruntergeladen.
Das eingeben von Text (zB. Email & Passwort bei Netflix) ist danke Mauszeiger deutlich einfacher, als wenn man sich mit dem Steuerkreuz durchackern muss. Trotzdem werde ich in naher Zukunft eine BT-Tastatur anschließen und testen ob der Fernseher damit zurecht kommt.
Die Fernbedienung hat auch ein eingebautes Mikro. Nach drei missglückten Spracheingaben beim Suchfeld auf Youtube, habe ich aber für mich beschlossen diese Funktion nicht so häufig zu nutzen.

Web OS Home Menü
 

Die für mich wichtigen Apps Netflix und Amazon sind vorinstalliert und arbeiten schnell und ohne Probleme auch in 4K (entsprechende Internetgeschwindigkeit vorausgesetzt). Youtube musste ich mir im LG Store holen. Auch die TVThek von ORF habe ich dort gleich entdeckt und installiert.


SOUND AUS DER KISTE
Natürlich hat der LGTV auch eigene Boxen von Harman Kardon integriert. Ich kann dazu nicht allzu viel sagen, da ich einen AV Receiver mit 5.1 Boxen nutze. Einige Male hatte ich auch die integrierte Box im Betrieb, im Vergleich zum 5.1 Standboxen-Set sind diese natürlich um Welten hinterher. Wer aber keinen Wert auf satten Klang legt wird damit durchaus zufrieden sein.

Zum Audio Return Channel kann ich noch was sagen:
Der ARC Kanal (Audio Return Channel) des TVs liegt auf HDMI2. Diese Funktion muss man im Menü dann einfach nur aktivieren und schon läuft der Sound über den AV-Receiver zurück ins Klangsystem . Im Receiver war das Setting ungleich schwerer zu finden. Egal ob Youtube, Netflix oder Amazon, alles klappt problemlos und lippensynchron, ohne diesbezüglich besondere Einstellungen vorgenommen zu haben. Durch das Update des WebOS hat sich dieses Setting aber wieder umgestellt. Ich musste es also wieder reaktivieren.


Standfußbefestigung

Nun zur Königskategorie:

DAS PANEL UND DIE BILDQUALITÄT
>> Spiegeleffekt <<
Das Panel spiegelt relativ stark. Wir haben ein Fenster hinter der Couch und müssen unter Tags die Rollo herunterlassen. Gerade bei dunklen Bildern ist der Effekt natürlich höher. Das „Problem“ haben aber fast alle neuen LCDs. Und ich bin mir nicht sicher ob es noch matte Displays zu kaufen gibt. Unser Toschiba hat noch eines.

>> Panelfrequenz <<

Der TV arbeitet mit einem IPS-Panel welches eine Refresh-Rate von 120Hz (nativ) hat.
Damit bin ich sehr zufrieden. Ich konnte keine negativen Bildeinflüsse feststellen.

Das Setting „True Motion“ macht Bewegtbilder noch flüssiger. Wobei sich dadurch in den Presets sofort der Soap-Opera Effekt einstellt. Es gibt ein „Benutzer“ Setting unter „True Motion“ bei dem man zwei Werte zwischen 1-10 einstellen kann. Hier konnte ich mit 3 auf beiden Leisten ein sehr gutes Ergebnis finden. So greift der Effekt, aber man sieh nicht ständig „GZSZ“. ;)

>> Farben und Schwarzwert <<
Der Schwarzwert ist ehrlich gesagt nicht mein Hauptkriterium und ich kann mit sehr dunklem Grau auch gut leben, so lange es homogen ist. Der LG kommt mit dem Schwarzwert im Vergleich zum Panasonic mit VA-Panel nicht ran, aber ich bin trotzdem sehr zufrieden damit.
Die Farben des Bildschirms sind top. Der TV bietet mehrere Presets, die aber nicht alle manuell abgeändert werden können. Es gibt aber zwei Experten-Presets die man nach Lust und Laune verändern kann. Zu diesem TV gibt es im Netz auch sehr viele Vorbild-Settings, die man sich hernehmen kann, wenn man selbst keinen Tau hat.

 

Spielt man HDR Material ab (zB. Dolby Vision auf Netflix) verändern sich die Einstellungsmöglichkeiten. Hier muss man dann nochmal separat justieren, wie man es gerne hätte.

Was mich gleich zum nächsten Thema bringt…

>> Upscaling <<
Wir sitzen ca. 2,30m vom Bildschirm entfernt. Für Full HD kein Problem, für 4K freilich schon gar nicht. TV Sender in HD (720i/p) sehen auch noch vergleichsweise gut aus. SD Sender sind keine wirkliche Augenfreude mehr. Der Fernseher liefert aber ein gutes Ergebnis. Für SD Inhalte hab ich mich auch dazu durchgerungen das „True Motion“ etwas stärker einzustellen, da es der Bildqualität zu Gute kommt. Auch da habe ich dafür die Rauschunterdrückung aktiviert.

>> Blickwinkelstabilität <<

IPS-Panele sind für die hohe Blickwinkelstabilität bekannt. Das war mit ein Grund warum ich nach dem VA-Panasonic doch noch ein IPS-Panel probieren wollte. Denn unsere Couch ist recht breit und beim VA-Panel hatte ich hier schon Kontrasteinbußen an den Kanten.
Mit dem LG bin ich diesbezüglich sehr happy.

>> Clouding , Dirty Screen Effect, Banding, Artefakte<<

Lucky me! Der LG hat kein Clouding und nur minimalstes Banding bei Testbildern, was mir bei Bewegtbildern aber noch nicht aufgefallen ist und bisher sind mir keine Artefakte untergekommen. DSE ist mir erst nach mehreren Tagen aufgefallen. Hält sich aber in Grenzen.

DSE/Banding ersichtlich

>>Local Dimming<<
Und hier ist der Punkt, der mich beim LG dazu bringt mich dezent auf der Stirn zu kratzen. Das Local Dimming ist extrem präsent. Eine LED Leiste unten beleuchtet die Bereiche in 6 Teilsegmenten bei Bedarf. Das macht der UH770 aber so intensiv, dass es während der Bedienung in den Menüs oder in Filmen bei Szenenwechseln fast schon nervt.

Beispiel 1: Man schaut ORF 1 HD bei dem links oben das ORF Logo in weiß leuchtet. So lange ein Film läuft merkt man von Local Dimming (bei uns auf „Niedrig“) nicht viel. Blendet eine Szene nun aber in schwarz, wird alles schwarz, bis auf das ORF Logo natürlich. Nun ist das linkeste der 6 Segmente durch Local Dimming dezent erhellt (also das linke Sechstel des Bildschirms von unten bis oben) und der Rest schwarz. Wirkt irgendwie komisch, auch wenns eigentlich egal ist.

2. Beispiel:
Ich starte Netflix und die App lädt. Sprich, der Netflix Schriftzug auf dunklem Hintergrund scheint auf und das rote Kreisel in der Mitte dreht sich. Durch die Drehung und die sich immer ändernde Helligkeit in diesem Bereich (wenn auch nur minimal) flackert das dritte Dimming-Sement von links immer leicht auf.

Das ist Jammern auf hohem Niveau. Man kann das Dimming auch abschalten. Vermutlich würde ich es in Filmen nicht einmal vermissen.

 
Local Dimming

FUNKTIONSUMFANG
Hier kann ich leider nur von den angebotenen Features des TVs sprechen, da ich bisher nur HDMI Eingänge und die Apps (zB. Netflix) als Zuspieler genutzt habe. Die Tuner, USB-Recording und einige andere Funktionen habe ich noch nicht genutzt, werde ich in Zukunft aber! Die Austattung des TVs ist gut. Leider hat das Gerät keine Twin-Tuner, so wie es der Panasonic gehabt hätte. Aber am Ende ist mir das Bild dann doch wichtiger.

FAZIT
In aller Kürze…

VERARBEITUNG (5/5):
+ Top! Design und Funktionsumfang überzeugen.

BETRIEBSSYSTEM (4/5):
+ Aus meiner Sicht passabel aufgebautes OS. Im Vergleich gefiele mit das Firefox OS von Panasonic aber einen Tick besser.

BEDIENBARKEIT/REMOTE (4/5):
+ Bietet eine klassische Bedienung durch Steuerkreuz und Buttons…
+ … und coolem Mauszeiger dank Magic-Remote.
~ Eingebautes Mikro in der Fernsteuerung hat mich noch nicht überzeugt.

TON (3/5):
~ Ist OK, für mich aber vernachlässigbar.

BILDQUALITÄT/PANEL (4/5):
+ Gutes und flüssiges Bild dank 120Hz Panel
+ Breites Farbenspektrum und reichlich Einstellungsmöglichkeiten in den Experten-Settings
+ Sehr gute Blickwinkelstabilität dank IPS-Panel
+ Glück im Clouding-Roulette, mein Gerät hat keinerlei Lichthöfe
~ Schwarzwert aus meiner Sicht für ein IPS in Ordnung
~ minimales Banding (nur bei Testbildern)
~ Panel spiegelt stark
~ Spezielles Local Dimming, das aber Ausschaltbar ist
~ Preset-Bildeinstellungen eher nicht so prickelnd
- Leichtes DSE (Dirty Screen Effect), im normalen TV Betrieb selten ersichtlich

Gesamtwertung: 20durch5 = 4,0

WAS NOCH ZU SAGEN IST
Auf was man bei einem TV am meisten Wert legt ist jedem selbst überlassen. Für mich sind eingebaute Boxen (auch wenn von Harman Kardon) einfach zu schwachbrüstig. Ich bin eben besseres gewöhnt. Da ich aber ein 5.1 Boxenset nutze ist dieser Punkt ohnehin vernachlässigbar.
Für mich ist eine zukunftssichere Technik wichtig und ein tadelloses Bild bei dem ich mich nicht über minderwertige Qualitätsarbeit ärgern muss.
Dieser LG-TV schafft das für mich. Auch wenn hier natürlich das Clouding-Roulette glücklich ausgefallen ist. Obwohl bei Amazon doch deutlich günstiger, habe ich den Fernseher nicht bei Amazon bestellt, weil ich mir nicht ganz sicher war ob ich dann Nachteile aufgrund der Modellunterschiede habe (DE und AT haben unterschiedliche Modellnummern; 7709 ; 770V).
Ich bin jedenfalls froh mit dem 55UH770V einen für uns passenden TV gefunden zu haben und kann diesen guten Gewissens weiterempfehlen.

WERTUNG

4 von 5 blickwinkelstabile Wunderwuzzis

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